2005

Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Vorbereitung unserer Ausstellung “Faszination der Bühne” in Eisenstadt, Landeshauptstadt des Burgenlandes, Österreich. Sie wird im Rahmen der Kulturpartnerschaft Bayreuths mit dem Burgenland während der Haydn-Festspiele im Burgenländischen Landesmuseum gezeigt.

Sie setzt sich zum Ziel, die barocke Bühnentechnik wieder lebendig werden zu lassen, die leider in unserem Markgräflichen Opernhaus nicht mehr, aber an einigen wenigen Bühnen in Europa noch erhalten ist. Sie präsentiert Nachbauten und Modelle, die dem Besucher den Zauber barocker Bühnentechnik und die barocke Aufführungspraxis vermitteln. Dass das Barocktheater eine farbige, aufregende Welt war, in der die Kulissen köstlich knirschten und die wunderbaren Verwandlungen und Effekte die Zuschauer betörten – diese Faszination soll deutlich werden. Wind-, Donner- und Regenmaschinen sind in Originalgröße und voll funktionsfähig zu besichtigen und von den Besuchern zu bedienen.

Ein großer Wasserfall vermittelt Bühnenillusion, ein Schiff gleitet durch sich bewegende Wasserwellen: Die ausgeklügelten Maschinen und Techniken, mit denen zum Entzücken der Zuschauer Illusionen produziert und die unterschiedlichsten Welten herbeigezaubert wurden, werden in Modellen vorgestellt und mit detaillierten Funktions-Perspektivzeichnungen anschaulich illustriert.

Die wenigen Theater in Europa, an denen die Bühnentechnik noch erhalten ist und teilweise noch bespielt wird, werden vorgestellt: Von Drottningholm bei Stockholm und Schloss Gripsholm in Schweden nach Cesky Krumlov und Litomysl in der Tschechischen Republik, von Versailles in Frankreich und Bad Lauchstädt, Gotha und Ludwigsburg in Deutschland bis Warschau und Moskau führt uns der Weg durch Europa auf den Spuren barocker Bühnentechnik.

Die Ausstellung bleibt aber nicht bei der glänzenden Außenseite des barocken Theaterlebens stehen, sondern fragt nach den Hintergründen. Das Weltbild der Epoche und die transzendentale Bedeutung der Metapher von der “Welt als Bühne” stehen ebenso im Mittelpunkt wie die sozialen Belastungen, die die Opern- und Schauspielbegeisterung der Fürstenhäuser den Untertanen auferlegte.

Am Beispiel des Bayreuther Hofes unter der Markgräfin Wilhelmine, eines Kulturzentrums von europäischem Rang, gibt die Ausstellung Einblicke in die Entwicklung des barocken Theaterlebens sowie die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründe. Wertvolle Leihgaben aus der Universitätsbibliothek Bayreuth veranschaulichen diese Entwicklung.

Für diese Ausstellung bauten wir im ersten Halbjahr den Wasserfall, im zweiten Halbjahr wagten wir uns an die Errichtung einer Kulissenbühne (5 x 6 m), auf der ein Kulissenwechsel auf offener Bühne gezeigt werden kann. 50 Ausstellungstafeln mussten getextet und das Layout gestaltet werden. Die Rahmen dieser Tafeln mussten zusammengeschraubt und die bedruckten Stoffbahnen aufgespannt werden.

Bis zur Eröffnung der Ausstellung am 3. August wartet noch eine Vielzahl an Aufgaben auf uns: Texte müssen laminiert, Podeste gezimmert, Kulissen und Soffitten gemalt, Figurinen gebastelt, Kostüme geschneidert werden.

Ein großer Dank gilt unseren Sponsoren, die insgesamt 12000 Euro zur Verfügung gestellt haben: der Oberfrankenstiftung, der Sparkasse Bayreuth, dem Burgenländischen Landesmuseum und unserem Elternbeirat.

2000 Euro haben wir selbst aus unserem Buchverkauf mit beigesteuert. Mit diesem Geld war es uns möglich, der Ausstellung ein professionelles Aussehen zu geben.

Im nächsten Jahr wird sie auf Wanderschaft gehen. Angefragt haben bereits Gotha, Potsdam, Ludwigsburg, aber auch Städte im europäischen Ausland.

Mein Dank gilt allen, die bei der Gestaltung der Ausstellung mitgeholfen haben. In erster Linie den beteiligten Schülern, aber auch einigen sehr engagierten Eltern, ehemaligen und aktiven Kollegen, der Schulleitung und unseren Partnern in Eisenstadt, die uns bei der Vorbereitung immer sehr gastfreundlich aufgenommen haben.

Ganz besonders in der Dankesschuld stehen wir bei Emil Hartmann, dem Leiter des Canisius- und des Don-Bosco-Heimes in Bamberg, der die Schreiner- und Schlosserarbeiten zu eigenen Projekten seiner Heime gemacht hat. Bei der Konzeption der Bühne halfen uns tatkräftig das Architekturbüro Reinelt, Bayreuth, und das Ingenieurbüro Orbach (ERO), Mistelgau.

Klaus-Dieter Reus